Dienstag, 9. September 2014

Die Ecole Maternelle in Frankreich, Schule oder Kindergarten? Das sind unsere Erfahrungen (Teil 1)

Als wir vor über 2 Jahren unseren Umzug nach Frankreich planten, war der Löwenjunge knapp 3 Jahre alt und ich mit dem Winterkind schwanger.
In diesen 3 Jahren war ich zu Hause und ausschließlich für die Betreuung unseres Kindes zuständig. 
Das war so gewollt und geplant, nicht immer einfach aber im Nachhinein die schönste und intensivste Zeit mit meinem Großen, die ich absolut nicht bereue. 

Mein Mann war in diesen 3 Jahren sehr viel beruflich unterwegs, ich war die meiste Zeit alleinerziehend und der Löwenjunge hatte eh schon sehr unter diesen ständigen Trennungen gelitten. 
Unterstützung gab es nicht, denn unsere Familie war rund 600 km weg. 
Wir lebten zu der Zeit in Sachsen-Anhalt, wo die meisten Kinder mit 1 Jahr in die Kita gehen und wir uns schon sehr viele Sprüche anhören durften, warum unser Kind "keine Einrichtung" besucht. (Während sich meine Freundinnen in Bayern damals Sprüche anhören mussten, warum das Kind schon mit anderthalb "weggegeben" wird, aber so ist das eben. Ich persönlich finde das sehr schade, denn jede Familie muss da doch ihren eigenen Weg finden. 

Aber wie ist das nun so mit dem Kindergarten im Ausland?
Als die Versetzung nach Frankreich Thema wurde, war das Wichtigste für mich daran natürlich die Kinder.
Wie wird der Kindergarten sein, gibt es eine Eingewöhnung, jemand der seine Sprache spricht???

Ich begann das Internet zu durchsuchen. 
Ecole Maternelle
Ecole kommt von Schule, die deutsche Übersetzung für Ecole Maternelle ist  Vorschule
Ich las ziemlich gruselige Berichte über die Ecole Maternelle: "Schule ab 3", "keine Zeit für eigene Entfaltung der Persönlichkeit", "Spielen unerwünscht", es werden nur "trockene Kinder" genommen usw...
Ein ganz komisches Gefühl und jede Menge Vorurteile machten sich breit. 
Mein Kind in so einer Einrichtung? 
In Familie und Freundeskreis sind sehr viele Erzieherinnen und man schnappt ganz automatisch in Deutschland ein anderes Bild auf, als das was ich zu lesen bekam. 

Es half aber alles nichts, unsere Versetzung kam, 3 Jahre auf dem Papier aber besprochen wurden dann 5 Jahre. O Gott, auch noch 2 Jahre Schule in Frankreich!? 

Sprachliche Probleme?
Mein Mann lernte ganz frisch französisch im Bundessprachenamt, hatte keinerlei Vorkenntnisse. 
Ich hatte in irgendeinem anderen Leben mal französisch. Vor 100 Jahren und das so erfolgreich, dass ich deswegen eine Ehrenrunde und die Schule gewechselt hatte. Französisch war definitiv nicht meine Zweitsprache!
Wie sollten wir also unserem Kind da helfen, sich in der Ecole Maternelle zurecht zu finden? 
Zweisprachig zu erziehen, dass es dann auch in der Schule zurecht kommt?

Der erste Eindruck
Wir zogen in den französischen Sommerferien um und unser Vermieter half uns gleich bei der Einschreibung im Schulamt, da unsere Ecole Maternelle staatlich ist. 
Sie ist nicht konfessionsgebunden und kostenfrei, man zahlt lediglich das Essen und die guarderie (wenn man sein Kind vor oder nach der üblichen Kernzeit bringt).
Zur Anmeldung muss man übrigens auch ein lückenloses Impfbuch vorlegen.

Unser Vermieter ist zum Glück auch noch im Elternbeirat sehr aktiv und ermöglichte es uns, noch vor dem offiziellen Schulstart im September die Ecole Maternelle mit dem Löwenjungen anzusehen. 



Ich musste ein wenig schlucken. Wir wohnen hier wirklich an einem malerischen Flecken Erde wo viele Leute ihren Urlaub verbringen. Ich musste mich aber wohl von meinen Vorstellungen die ich in meinem Kopf von einem Kindergarten so hatte verabschieden. Hier gab es keinen grünen Aussenbereich sondern einen  gepflasterten Pausenhof. Der dient tatsächlich zur Pause wenn die Glocke schrillt und es nicht regnet. Sonst sind die Kinder den ganzen Tag drin. (Bei uns übrigens auch den ganzen Tag in ihren Straßenschuhen...)

Grundsätzlich gibt es in jeder Maternelle 3 Stufen/Klassen:
- Petite section (Petite=klein) für Kinder ab 3 Jahren oder teilweise auch schon immer häufiger mit 2 Jahren
- Moyenne Section (mittlere Klasse) für die 4-5 Jährigen
- Grande Section (die "Großen") Vorschulkinder 5-6 Jahre

Bei unserer Ecole gibt es 2 Klassen, die Petite Section und eine gemischte Klasse, in der die Moyenne und Grande zusammen unterrichtet werden. 

In der Petite Section sah es dann auch zum Glück noch etwas nach Kindergarten und spielen aus. 



Wir erfuhren, dass es eine Eingewöhnung in Frankreich nicht gibt, denn die Kinder  kommen meist noch unter einem Jahr in die Fremdbetreuung. (Creche (Krippe) oder Tagesmutter) 
Der Kindergartentag würde 8 Stunden dauern, von 08:20 Uhr bis 16:20 Uhr. Man könnte die Kinder um 11:30 Uhr abholen, falls ein Mittagessen daheim gewünscht würde. Dann müsste man das Kind um 13:15 Uhr zum Mittagsschlaf wieder bringen. 
Das würde verdammt hart werden, für Mutter und Kind, das war mir schon jetzt klar. 
An der ganzen Schule gab es auch niemanden der deutsch spricht.

Der erste Tag
Der Löwenjunge war aber frohen Mutes und freute sich schon riesig, wenn er endlich ein Kindergartenkind sein würde. 
Dann kam der 1. Kindergartentag und der Mut war schon etwas weniger. Mein Mann und ich brachten ihn hin und er blieb und war nur etwas schüchtern, weinte auch nicht wie andere Kinder. Ich holte ihn um 11:20 Uhr ab, denn wir wollten ihn nicht gleich 8 Stunden an einem Ort lassen wo er nichts und wo niemand ihn versteht. 
Seine Augen waren sehr rot und man sah  ihm von weitem an, dass das die wohl längsten 3 Stunden seines Lebens waren...



Im 2. Teil erfährst Du unter anderem wie das 1. Jahr des Löwenjungen weiter ging, was man in der Ecole Maternelle so alles lernt, welche Unterschiede es zum deutschen Kindergarten gibt und was wir noch so erlebt haben. 
Wenn Ihr Fragen habt, dann gerne. 

À bientôt und bis Bald. 



Nachtrag, 07.01.2015 
Dieser Beitrag nimmt an der Blogparade von Kellerbande teil: Mein bester Blogbeitrag des Jahres 2014. #mbNdJ vielen Dank, Anja!

1 Kommentar:

  1. Hallo Tanja,
    ich hatte schon einen Kommentar zu diesem Post geschrieben, aber irgendwie scheint er vom System verschluckt worden zu sein. Hier noch einmal die Kurzfassung:

    Ich bin immer wieder überrascht wie unterschiedlich Kinderbetreuung und Erziehung in den europäischen Ländern gehandhabt wird. Der Einblick in die Ecole Maternelle ist sehr interessant und ich bin froh, dass wir hierzulande keine Ganztagespflicht haben.
    Die Eingewöhnung, wie ihr sie machen musstet, hätte mich vermutlich einige Tränen gekostet. Ich hoffe, dass der Löwenjung sich bald eingelebt hat und bin gespannt auf den zweiten Teil.
    Liebe Grüße
    Paula

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